Hohlwände erklärt: Die am häufigsten verwendeten Materialien und ihre Eigenschaften

Hohlwände erklärt: Die am häufigsten verwendeten Materialien und ihre Eigenschaften

Hohlwände sind ein wesentlicher Bestandteil vieler deutscher Gebäude – sowohl bei Altbauten als auch im modernen Neubau. Sie tragen entscheidend zur Wärmedämmung, Feuchtigkeitsregulierung und Langlebigkeit der Bausubstanz bei. Doch woraus besteht eine Hohlwand eigentlich, und welche Materialien kommen dabei typischerweise zum Einsatz? In diesem Artikel erfahren Sie, welche Materialien am häufigsten verwendet werden, welche Eigenschaften sie besitzen und wie Sie Ihre Hohlwand optimal instand halten können.
Was ist eine Hohlwand?
Eine Hohlwand besteht aus zwei Mauerschalen – einer Außenwand und einer Innenwand – die durch einen Zwischenraum getrennt sind. Dieser Zwischenraum kann entweder leer sein oder mit Dämmmaterial gefüllt werden. In Deutschland wurde diese Bauweise ab den 1950er-Jahren zunehmend populär, als Wärmeschutz und Feuchtigkeitsschutz stärker in den Fokus rückten.
Die Außenwand schützt das Gebäude vor Witterungseinflüssen, während die Innenwand die statische Last trägt und zur Behaglichkeit im Innenraum beiträgt. Der Hohlraum dazwischen dient der Wärmedämmung und dem Feuchtigkeitstransport.
Die am häufigsten verwendeten Materialien in Hohlwänden
1. Ziegel – der Klassiker im deutschen Mauerwerk
Ziegel sind das traditionelle und am weitesten verbreitete Material für Außen- und Innenwände. Sie bestehen aus gebranntem Ton und zeichnen sich durch hohe Festigkeit, Langlebigkeit und gute Wärmespeicherfähigkeit aus.
- Vorteile: Robust, langlebig, wartungsarm, gute Schalldämmung.
- Nachteile: Kann Feuchtigkeit aufnehmen, wenn Fugen beschädigt sind.
- Pflege: Regelmäßige Kontrolle der Fugen und gegebenenfalls Neuverfugung, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden.
2. Kalksandstein und Leichtbetonsteine – stabil und vielseitig
Kalksandstein wird häufig für tragende Innenwände verwendet. Er bietet hohe Druckfestigkeit und gute Schalldämmung, ist jedoch weniger wärmedämmend. Leichtbetonsteine (z. B. Bims- oder Blähtonsteine) sind leichter und bieten bessere Wärmedämmwerte.
- Vorteile: Hohe Maßhaltigkeit, gute Tragfähigkeit, einfache Verarbeitung.
- Nachteile: Geringere Wärmedämmung bei Kalksandstein, empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit bei Leichtbeton.
- Typische Anwendung: Innenwände und tragende Schalen in Wohn- und Mehrfamilienhäusern.
3. Dämmstoffe – der Schlüssel zur Energieeffizienz
In modernen Hohlwänden ist die Dämmung entscheidend, um Wärmeverluste zu minimieren und die Energieeffizienz zu erhöhen. In Deutschland kommen vor allem folgende Dämmstoffe zum Einsatz:
- Mineralwolle (Glas- oder Steinwolle): Sehr verbreitet, nicht brennbar, diffusionsoffen und einfach zu verarbeiten.
- EPS (expandiertes Polystyrol): Leicht, kostengünstig und feuchtigkeitsabweisend, jedoch brennbar.
- PUR- und PIR-Hartschaum: Hervorragende Dämmleistung bei geringer Dicke, aber teurer und nur durch Fachbetriebe zu verarbeiten.
- Zellulose oder Holzfaser: Umweltfreundliche Alternativen mit guten ökologischen Eigenschaften.
Die Wahl des Dämmstoffs hängt von der Bauweise, den energetischen Anforderungen und den regionalen Klimabedingungen ab.
4. Mauerwerksanker – die unsichtbaren Verbindungen
Damit Außen- und Innenwand als eine stabile Einheit wirken, werden Mauerwerksanker (auch Wandanker genannt) eingesetzt. Sie bestehen meist aus rostfreiem Edelstahl und verbinden die beiden Mauerschalen sicher miteinander.
- Vorteile: Hohe Stabilität, Korrosionsbeständigkeit.
- Nachteile: Ältere verzinkte Anker können rosten und ihre Tragfähigkeit verlieren.
- Pflege: Bei Sanierungen sollte der Zustand der Anker überprüft und gegebenenfalls erneuert werden.
Feuchtigkeit und Belüftung in der Hohlwand
Ein zentrales Ziel der Hohlwandkonstruktion ist es, Feuchtigkeit vom Gebäude fernzuhalten. Dafür sorgen Luftschichten und Belüftungsöffnungen in der Außenwand, durch die Feuchtigkeit entweichen kann. Wenn der Hohlraum mit Dämmstoff gefüllt ist, muss dieser diffusionsoffen sein, damit kein Schimmel entsteht.
Fehlerhafte Abdichtungen oder fehlende Lüftungsöffnungen können zu Feuchteschäden führen – insbesondere bei älteren Gebäuden, deren Hohlräume ursprünglich nicht gedämmt waren.
Nachträgliche Dämmung von Hohlwänden
Viele Häuser aus den 1950er- bis 1970er-Jahren besitzen Hohlwände ohne Dämmung. Eine nachträgliche Kerndämmung kann hier die Energieeffizienz deutlich verbessern. Dabei wird Dämmgranulat (z. B. Perlite, EPS-Perlen oder Zelluloseflocken) über kleine Bohrlöcher in den Hohlraum eingeblasen.
- Vorteile: Schnelle, kostengünstige und effektive Maßnahme zur Energieeinsparung.
- Nachteile: Risiko von Feuchtigkeitsproblemen, wenn die Wand nicht ausreichend trocken oder belüftet ist.
- Tipp: Vor der Dämmung sollte immer ein Fachbetrieb die Bausubstanz prüfen.
Pflege und Wartung von Hohlwänden
Hohlwände sind grundsätzlich wartungsarm, sollten aber regelmäßig überprüft werden. Achten Sie auf:
- Risse in Fugen oder Mauerwerk.
- Feuchte Stellen oder Verfärbungen an Innenwänden.
- Verstopfte Lüftungsöffnungen.
- Abplatzungen oder Ausblühungen an der Fassade.
Frühzeitige Instandsetzung kleiner Schäden kann größere Probleme verhindern und die Lebensdauer der Konstruktion erheblich verlängern.
Eine langlebige Bauweise mit Zukunft
Die Hohlwand ist eine bewährte und effiziente Bauweise, die Stabilität, Wärmeschutz und Feuchtigkeitsschutz vereint. Mit den richtigen Materialien und regelmäßiger Wartung kann sie über Generationen hinweg bestehen. Ob Altbau oder Neubau – wer die Funktionsweise seiner Hohlwand kennt, sorgt für ein gesundes, energieeffizientes und dauerhaft wertbeständiges Zuhause.










